Ein erster, grosser Schritt

Frau S. erschien nach kürzlich erfolgter Trennung zum Erstgespräch in der AHG. Aufgrund der langandauernden Paarkonflikten und Eskalationen, der Verantwortung für die Kinder, der Stellensuche und dem Wohnortswechsel war sie am Ende ihrer Kräfte und berichtete unter Tränen von Erschöpfungszuständen und Überforderung.

Das erste Gespräch bot ihr einen geschützten Raum für die Erzählung der eigenen Geschichte und Befindlichkeit. Als Anliegen für die Beratung formulierte sie den Wunsch «wieder einen Durchblick zu erlangen». Wir versuchten gemeinsam, die anstehenden Aufgaben zu strukturieren, wo nötig Unterstützung einzuplanen und ihre vielfältigen Ressourcen wieder zu aktivieren.

Sichtlich geordneter und zuversichtlicher verliess sie das Gespräch, in zwei Wochen wird sie sich melden, wie es weiterging.

(Beraterin, August 2019)

 


Er schwärmt von seinen Lernerfolgen

Herr A. wendete sich an die AHG, weil er vom Familiengericht die Auflage erhalten hat, zukünftig sein gewalttätiges Verhalten zu unterlassen. Im Erstgespräch zeigte sich Herr A. betroffen über das, was er getan hat - nie wieder will er seiner Familie Gewalt antun. Allerdings hat er Angst, dass er wieder überreagieren könnte. Er ahnt, dass der blosse Vorsatz, auf Gewalt zu verzichten, nicht ausreichen könnte. Zudem beklagt er, dass er, um seine familiären Pflichten zu erfüllen, seine sämtlichen sozialen Kontakte vernachlässigte - nun fühlt er sich einsam. Ich schlug Herrn A. vor, das Lernprogramm gegen Häusliche Gewalt zu absolvieren. Dort könne er mit anderen Männern mit ähnlichen Problemen sprechen und in den 26 Kursabenden das Phänomen Häusliche Gewalt ganzheitlich begreifen. Die Kosten werden dabei weitgehend kantonal getragen. Herr A. hat mich gestern nach seinem fünften Kursabend angerufen. Er schwärmt von seinen Lernerfolgen und von der guten Atmosphäre in der Kursgruppe.
(Berater, Mai 2019)

 


Ein Weg entsteht, wenn Frau ihn geht

Frau K. hat eine mehrjährige Geschichte von häuslicher Gewalt hinter sich - bis ein Nachbar eines Abends die Polizei ruft, weil ihr Ehemann sie die Haustreppe runterstösst. Dies alles müssen leider auch ihre Kinder (5- und 7-jährig) mit ansehen. Nebst den physischen Verletzungen sind die psychischen bei allen dreien etwas, was sie noch lange Zeit mit sich tragen werden. Am nächsten Tag ruft sie mich an, ich vereinbare einen Termin bei einer Anwältin, und wir können gemeinsam noch am selben Tag zu ihr. Sie will sich sofort trennen und macht trotz grossen Ängsten eine Strafanzeige.

Dies hat sich vor mehr als 2 Jahren ereignet, und die Klientin kommt mittlerweile in grösseren Abständen zu mir in die Beratung. Eine lange und sehr intensive Zeit für die kleine Familie. Viele rechtliche Themen müssen gemeinsam mit der Anwältin aufgegleist werden. Sie sind bis heute noch nicht geschieden. Es gibt viele Fragen rund um das Besuchsrecht, welches zwar eingefordert wird, aber die Abmachungen werden zum Leid der Kinder selten gemacht. Alimente wird bis heute nicht bezahlt, was wiederum zur Folge hat, dass das Sozialamt, Alimenteninkasso usw. weiter involviert sind.

Trotz all diesen Steinen, welche den dreien immer wieder in den Weg gelegt werden, haben sie ihren Humor und Schalk nicht verloren. In unseren Sitzungen gibt es immer wieder mal eine Gelegenheit zum Lachen. Es freut mich sehr, dass Frau K. nebst all dem Alltagsstress und den grossen psyschischen Belastungen sich beruflich neu orientieren konnte.

Sie hat die Herausforderung angenommen und in der Spitex zu 70 % als Hauspflege angefangen zu arbeiten. Jetzt geht sie noch einen Schritt weiter und macht die Ausbildung zur Rotkreuzhelferin - dies mit Unterstützung des Sozialdienstes ihres Wohnortes. Obwohl diese Arbeit einen strengen Alltag mit sich bringt, meistert sie diese Herausforderung immer wieder neu.

Ihr grosses Ziel war immer, unabhängig zu werden und das hat sie geschafft. Sie darf stolz sein auf ihren Weg. Ich freue mich sehr für sie und ihre Kinder.
(Beraterin, Februar 2019)


Ein kleines Licht am anderen Ende des Tunnels

In den letzten 2 Jahren kam es zu vielen Auseinandersetzungen in unserer Familie. Häufiger Streitpunkt ist das Verhalten unseres Teenager-Sohns. Er ist frech, abwertend und respektlos seiner Familie gegenüber und hält sich an keine Regeln. Kürzlich wurde er erstmals tätlich mir gegenüber - was mich dann auch dazu bewegte, mir Hilfe zu suchen. Ich fühlte mich hilflos. Ich hatte keine Kraft mehr und konnte mir ein weiteres Zusammenleben nicht mehr vorstellen. In den Beratungen bei der AHG hatte ich mal den Raum für mich, und ich wurde ernst genommen in meiner Hilflosigkeit und Überforderung. Mir wurde bewusst, dass ich einen neuen Umgang mit Grenzen lernen musste und wollte - sowohl mit meinen Grenzen wie auch mit den Grenzen anderer. Wo sind meine eigenen Grenzen, was ist für mich okay und was ist nicht tolerierbar? Und wie kann ich das den anderen mitteilen? Wie kann ich meinem Sohn Grenzen setzten, damit er sie akzeptiert und respektiert? Fragen, die mich während den Sitzungen begleitet haben und die meine Beziehung zu meinem Sohn verändern. Sie schenken mir ein kleines Licht am anderen Ende des Tunnels. 
(Klientin, Dezember 2018)


Männergespräche

Herr B ist 21, noch in der Ausbildung und erschien vor drei Jahren zum Erstgespräch nach einem Polizei-Einsatz. Er kam in seiner Beziehung nicht zurecht, immer wieder hatte es eskalierenden Streit gegeben. Nach sechs Gesprächen entschied sich Herr B., es fortan allein, also ohne Beratungsunterstützung, zu versuchen. Vor zwei Monaten erschien Herr B. erneut bei mir in der Männerberatung. Inzwischen habe er die Ausbildung abgeschlossen und  immer noch dieselbe Freundin. „Es gäbe wieder Probleme“, berichtet er, das damals gelernte reiche nicht mehr aus. Inzwischen hat Herr B. das siebte, achte und neunte Gespräch absolviert. Er meint, die Gespräche täten ihm gut und langsam verändere sich die Beziehung. Er ist froh, zu lernen, wie er konstruktiv streiten kann und kommt nächste Woche zum zehnten Gespräch.
(Berater, September 2018)


Mut zur Veränderung

Eine junge Frau kam kürzlich zu mir in die Praxis zur Beratung. Mit ihrem Mann gibt es viel Streit. Es kommt zwar nicht zu Schlägen, doch die gegenseitigen Beleidigungen häufen sich. Sie wusste nicht mehr weiter, war mit der Situation völlig überfordert und weinte nur noch. Ich gab ihr Raum und Zeit, sich über ihre Situation klar zu werden. Durch den Austausch mit mir wurde ihr bewusst, wie gefangen sie in der Situation ist. Nach und nach löste sich die Angst, die sie lähmt. Mit jeder weiteren Sitzung wurde sie stabiler und es gelang ihr, ihren Blick wieder nach vorne zu richten. Sie weiss unterdessen, wie sie ihr Leben wieder zurückgewinnen möchte und beginnt, danach zu handeln.
(Beraterin, Juni 2018)