Ist das noch normal, was in meiner Beziehung geschieht?

Frau M. meldet sich selbstständig bei der AHG. Unsere Beratungsstelle wurde ihr von einer Bekannten empfohlen. Im Erstgespräch berichtet sie von Entwertungen, Beleidigungen und Kontrollverhalten seitens ihrem Partner, dies führe häufig zu Paarkonflikten.

Frau M. wirkt beim Erzählen ihrer Situation ängstlich und verunsichert, sie fühle sich schuldig und beginne an sich zu zweifeln. Sie möchte wissen, inwiefern das normal sei, was sie erlebe. Wir reden über die verschiedenen Erscheinungsformen von häuslicher Gewalt, unter anderem von psychischer Gewalt. Weitere Gesprächsthemen sind ihre eigenen Beziehungsvorstellungen und Bedürfnisse, sowie das Erkennen und Setzen von persönlichen Grenzen in der Beziehung.

Frau M. möchte noch für ein weiteres Gespräch kommen, um sich mit ihren Themen auseinanderzusetzen. Sie möchte wieder lernen, für sich die Verantwortung zu übernehmen, um sich in Ruhe zu überlegen, wie es für sie auf ihrem Weg weitergehen soll. Frau M. teilte am Ende des Gespräches mit, dass es hilfreich war, dem Erlebten einen Namen zu geben.  Zu wissen, dass sie mit diesen Erfahrungen nicht alleine sei und sie etwas für sich ändern könne, gebe ihr Zuversicht.

Beraterin, Oktober 2021


"Woher kommt die Wut?" - Ein Klient erzählt.

Als ich zum ersten Mal die Beratung der AHG aufsuchte, hatte ich eine Beziehung hinter mir, in der vor allem meine immer wiederkehrenden verbalen Wutausbrüche zu deren Zerbrechen geführt hatten. “Woher kommt die Wut?“, lautete die Frage, die ich anfangs mitgebracht hatte. Diese nahm der Berater sehr ernst und führte mich an zwei sehr zentrale Emotionen, denen ich mich in meinem Leben nie gestellt, sondern stets weggeschoben hatte: Ohnmacht und Angst.

Da ich diese Gefühle immer sofort negativ bewertete, wenn sie aufkamen, was sich in Wut zeigte, hatte es sich für mich immer angefühlt, als würde ich wie in der Luft hängen. Dies machte mich noch wütender. In der Beratung lernte ich, mit Ohnmacht und Angst in Kontakt zu treten, sie wahrzunehmen, wertzuschätzen und letztlich lieben zu lernen. Es ging also gar nicht darum, die Wut zu unterdrücken, sondern meine davorliegende Ohnmacht und Angst wahrzunehmen und diese in positive Energien umzuwandeln.

In meinem Alltag konnte ich dies in ganz unterschiedlichen Situationen üben, z.B. im Strassenverkehr, wenn es mal wieder nicht vorwärts ging oder wenn mir in der Küche etwas herunterfiel. In diesem Moment galt es, meine Ohnmacht zu akzeptieren, bevor es überhaupt zur Wut kommen konnte. Das alte Muster zu durchbrechen, war für mich eine sehr anstrengende Kopf-, Herz- und Emotionsarbeit und ich hatte das Gefühl, dass mein ganzes Leben dabei einmal auf links gedreht wird. Irgendwann merkte ich, dass das, was ich mir im Alltag immer wieder bewusst ins Gedächtnis rufen musste, plötzlich ganz natürlich aus dem Unbewussten kam.

Heute ist die Wut wie ein Gegenstand, auf den ich zwar immer noch zurückgreifen kann, doch ich selbst habe in der Hand, was ich damit mache. Ich bin weiterhin sehr aufmerksam, was in mir vorgeht und sehr glücklich über den Umgang, den ich damit gelernt habe. Was meinen Umgang mit Angst betrifft, durfte ich lernen, dass sie kein Gefühl ist, dass mich umbringt und es oft hilft, sie einfach meinem Gegenüber mitzuteilen. Mit diesem Gefühl tat ich mich viel schwerer, doch als ich das, was mein Berater mir mit auf den Weg gab, im Alltag umsetze, merkte ich, dass es tatsächlich einen Weg gibt. Die Angst löst sich auf, aber eben nicht, wenn ich vor ihr weglaufe, sondern indem ich mich ihr stelle.

In meinem Berater fand ich einen sehr zugewandten, verständnisvollen Menschen, der mich mit all dem, was mich bewegte, sehr ernst genommen hat. Bei ihm habe ich einen neuen Zugang zu meinen Gefühlen gelernt und viele andere wichtige Erkenntnisse über mein Verhalten in Beziehungen gewonnen. Ein zentraler Lernpunkt war für mich, dass wir oft nur eine einzige Strategie haben, um mit bestimmten Situationen umzugehen und Menschen eben nicht grundsätzlich gewalttätig sind, sondern es ihnen schlicht an Strategien fehlt.

Was ich in der Beratung gelernt und erarbeitet habe, prägt meinen Alltag nachhaltig. Durch die Beratung bin ich kein anderer geworden – und doch anders. Meine Gefühle sind immer noch dieselben, doch ich konnte einen Umgang damit erlernen. Dafür bin ich meinem Berater sehr dankbar und kann die Beratung der AHG allen empfehlen, die sich in einer ähnlichen Situation befinden.

Juli 2021


Ich will nicht, dass meine Kinder mich so erleben.

Nachdem ich mit Herrn Martin (Name fiktiv) telefonisch Kontakt aufgenommen hatte und
ihm von der Polizeimeldung erzählte, war er nach etwas Überredungskunst bereit, sich mit mir zu einem ersten Gespräch zu treffen.

In diesem Gespräch liess ich viel Raum für seine Schilderungen. Naturgemäss erzählte er mir natürlich, was er schwierig fand im Zusammenleben mit seiner Frau - was sie alles falsch machte. Sie könne nicht kochen. Sie sei mit den beiden Kindern schon überfordert, sie vergesse wichtige Termine und sei allgemein unzuverlässig. Er selber arbeite wie ein Esel, damit es der Familie finanziell gut geht. Dafür spürte er keine Wertschätzung von seiner Frau. Bei der Arbeit hatte er grossen Stress, da viel Druck auf ihm lastete.

Zum Alkoholkonsum (Messung der Polizei: 0.9mg/l = 1.8 %o) meinte er, dass das ein
einmaliger Ausrutscher gewesen sei. Zu den Aussagen seiner Frau und der Kinder gegenüber der Polizei meinte er, dass sie masslos übertrieben hätten. Er könne sich nicht vorstellen, dass seine Familie Angst vor ihm habe. Und die Ohrfeige habe seine Frau ja auch verdient, weil sie ihn so provozierte und sich einmal mehr nicht an die Abmachung gehalten hatte. Frühere Gewalt wies er gänzlich von sich. Darauf angesprochen, ob die Kinder die Situation mitbekommen haben, bejahte er und wurde nachdenklich, als ich fragte, was er denke, wie es den Kindern wohl gehen würde nach solchen Vorfällen.

Darauf angesprochen, was er nun gerade fühlte, wurde er traurig und begann zu weinen. Es tat ihm so leid, dass die Kinder das mitbekommen mussten und er habe seiner Frau schon oft gesagt, dass sie mit ihm nicht vor den Kindern streiten solle. Ich konfrontierte ihn damit, dass ja auch er vor den Kindern streite. Er erschrak ab dieser Aussage von mir und wurde wieder nachdenklich. Schliesslich gab er mir mit meiner Einschätzung recht. Er merkte, dass er auch etwas mit dem Geschehenen zu tun hatte und seinen Anteil an den Eskalationen hatte. Diese Einsicht half ihm, sich bei mir für einen Beratungsprozess zu entscheiden.

Berater, März 2021


Wer sein Gegenüber verändern will, überschreitet Grenzen.

Ein Mann im Rentenalter kommt in die AHG zur Gewaltberatung. Er hat seine Frau gestossen. Im ersten Gespräch habe ich ihm mitgeteilt, dass er seine Frau nicht ändern könne, auch wenn ihm ihr verhalten nicht passe. Er könne bei sich schauen, wie er mit diesem Verhalten der Frau einen Umgang finden könne, ohne dabei gewalttätig zu werden. Er wollte also von mir mit Handlungsansätzen und Verhaltenstheorien gefüttert werden.

Nach einigen Beratungen hat er mir mitgeteilt, dass das ganze Wissen ihm einfach nicht helfe. In den Situationen mit seiner Frau kam er trotz allem Wissen an seine Grenzen. Ich habe dann mit ihm das Wahrnehmungsmodell der Phaemoberatung angeschaut und konkrete Lebenssituationen besprochen. Als wir uns auf die Suche gemacht haben, was er in diesen Situationen fühlte, wurde ihm immer mehr klar, dass er sehr oft versuchte, die Verhaltensweise seiner Frau zu verstehen oder zu «entlarven». Wie es ihm aber in diesen Situationen gefühlsmässig ging, war ihm nicht bewusst. Er merkte jedoch, dass er sehr viel Zeit damit verbrachte, zu überlegen, wie er sich verhalten soll, damit seine Frau sich verändert und nach seinen Vorstellungen verhält.

Wieder gab ich ihm zu verstehen, dass er diesbezüglich auf verlorenem Posten stehe. Er war jedoch nicht mehr grenzüberschreitend und wollte seiner Frau auch nicht mehr vorschreiben, was sie zu tun und zu lassen habe. Und dennoch versuchte er, sie zu manipulieren.

Wir alle kennen es doch auch, dass wir manchmal versuchen, unser Gegenüber zu ändern, nur weil wir damit keinen Umgang finden können und es als ein Fehlverhalten bewerten.

Berater, Dezember 2020


Ein laufender Beratungsprozess in der AHG

Seit drei Jahren arbeiten wir mit Herrn K. zusammen. Die Trennung von seiner Frau - sie hatte ihn verlassen - und seinem 9-Jährigen Sohn hat ihn in eine Existenzkrise geführt, die er mit Hilfe der AHG bewältigen konnte. Er erschien nach unserer Kontaktaufnahme für ein Jahr lang wöchentlich zum Gespräch und konnte seine vielfältigen Themen mit unserer Unterstützung bearbeiten.

Im letzten Jahr meldete er sich in unregelmässigen Abständen bei der AHG. Er nutzte die Gespräche als «Anker». Das heisst, er konnte sich melden, wenn es ihm schlecht ging. So erschien er alle vier bis sechs Wochen zu einem Gesprächstermin. Das stabilisierte ihn.

Seit wenigen Wochen ist die Situation wieder anders. Im letzten Streitgespräch mit seiner neuen Freundin hat er wieder Gewalt angewandt. Im Gespräch erzählt er, dass er es nicht akzeptieren kann, dass seine Freundin andere Vorstellungen hat wie er. Als sie ihm erklärt, dass sie mit Freunden ins Kino gehe anstatt mit ihm einen gemütlichen Fernsehabend zu geniessen, schlägt er zu. Ich empfehle ihm, bis zum nächsten Gesprächstermin in der AHG auf weitere Treffen mit seiner Freundin zu verzichten. Im Gesprächsverlauf erkennt der Klient, dass die Gefahr, dass er wieder zuschlägt, zu gross ist.

Im nächsten Gespräch will er sich entscheiden, ob er eine Gewaltberatung in der AHG machen will. Ich bin gespannt, wie er sich entscheidet. Herr K. kann sich darauf verlassen, dass er bei seiner Entscheidung begleitet wird.

Berater, September 2020


Wie ein Paar wieder zueinander fand ...

Herr und Frau T. wurden vom Familiengericht der AHG zugewiesen, da es mehrmals zu einem Polizeieinsatz wegen häuslicher Gewalt gekommen war. Beide hatten die Auflage, bei der AHG Beratung in Anspruch zu nehmen. Bei der Beratung im Einzelsetting kam zum Vorschein, dass bei diesem Paar Paarberatungen hilfreicher wären.

Ein zentrales Thema betraf die Kommunikation. Wir besprachen anhand von ihren Beispielen, wie sie miteinander kommunizierten. Bei ihm kamen viele verbale Abwertungen zum Vorschein, bei ihr das sich Festbeissen an ein Thema und nicht einfach mal ruhen lassen können. Auch kam zum Vorschein, wie unterschiedlich die Botschaften aufgenommen wurden.

Die Berater entschieden nach 5 Einzelsitzungen, gemeinsam mit dem Paar weiterzuarbeiten. Es war interessant und aufschlussreich, zu beobachten, wie sie sich vielen Handlungen und Umgangsformen mit dem Gegenüber nicht bewusst waren. V.a. bei ihm zeigten sich «Aha» -Erlebnisse seiner Frau gegenüber. Sie kamen von Mal zu Mal entspannter in die Sitzungen und konnten auch jedes Mal ein Beispiel einbringen, wo ihnen etwas gelungen oder eben auch misslungen war.

Nach 10 Sitzungen konnte die Gewaltberatung abgeschlossen werden. Das Paar meldete zurück, dass sie viel aus den Sitzungen mitgenommen hatten und sich ihr Umgang miteinander positiv verändert habe. Die gegenseitigen Beschimpfungen hatten aufgehört und es fand wieder ein aufeinander zugehen statt. Dies sind Momente in der Beratung, die Freude bereiten und hoffen lassen, dass weitere Paare den Zugang zueinander wiederfinden.

Beraterin, Juni 2020


Es ist passiert.

Ein Mann um die 60 Jahre wurde von der Justiz an die AHG zur Gewaltberatung überwiesen. Es war eine Pflichtberatung. Das Delikt, welches er begangen hatte, lag 2,5 Jahre zurück. Er hatte Gewalt gegen seine Familie angewendet und wurde zu versuchter Tötung und Körperverletzung verurteilt. Er hatte seit dem Vorfall ein Kontakt- und Annäherungsverbot.

Er kam zu mir, sehr verbittert und fühlte sich ungerecht behandelt. Das sei reine Willkür, wie die Justiz mit einem umgeht. Er sah keinen Sinn in den Gesprächen mit mir und kam mit sehr viel Widerstand. Er meinte, er hätte etwa seit einem Jahr dieses Ereignis verarbeitet. Er will zur Familie keinen Kontakt mehr. Ebenfalls wünscht seine Familie keinen Kontakt mehr zu ihm. Er lebt nun allein.

Zu Beginn der Gespräche hatte er die Haltung, dass die Gewalt, die er ausübte, gerechtfertigt war, da er von allen provoziert wurde. «Irgendwann haut es jedem die Sicherungen raus» war seine Rechtfertigung. Die Verantwortung für die Gewalt sah er nicht bei sich, und ich erlebte ihn sehr verbittert. Versöhnung, sich entschuldigen oder gar die Verantwortung für seine Taten zu übernehmen, kam für ihn nicht in Frage.

Mittlerweile habe ich diesen Mann bereits 3-mal bei mir in Beratung gehabt und er beginnt allmählich, sein Verhalten zu hinterfragen und konnte auch schon sagen, dass er am liebsten die Uhr zurückstellen wolle, um das Ganze ungeschehen zu machen. Letztes Mal konnte er erstmals bezüglich seiner Gewalt sagen: «was ich gemacht habe». Zuvor sprach er immer davon, «was passiert ist».

Diese Aussagen zeigen mir, dass er langsam beginnt, sein Verhalten zu hinterfragen. Er rechtfertigt seine Taten aber immer noch und versucht, sich da der Verantwortung zu entziehen. Er hat noch einen langen Weg vor sich, bei welchem es in meinen Augen darum geht, die volle Verantwortung für sein Handeln zu übernehmen. Er muss aus seiner Verbitterung herauskommen und sich und seine Gefühle wieder spüren.

Da ist noch einiges von ihm zu leisten, hat er mir doch gerade letztes Mal gesagt, dass er von seinen Kindern nichts mehr wissen möchte. Ich melde ihm immer wieder zurück, wie traurig diese ganze Sache doch sei. Er lächelt mich dann nur an und meint: «Jetzt ist es halt so …».

Berater, Februar 2020


Die Verschnaufpause

Vor einem halben Jahr kam Frau U. das erste Mal zu mir in Beratung. Sie und ihr Mann wurden vor kurzem pensioniert. Mit der Pensionierung fingen auch die Streitereien an, sich zu häufen. Es gab Tage, da diskutierten die beiden über mehrere Stunden. Beide litten unter den Streitereien, sie raubten ihnen den Schlaf und die Energie. Während diesen Diskussionen kam es zweimal vor, dass der Ehemann seiner Frau eine Ohrfeige gab.

In den Beratungen wird Frau U. bewusst, dass sie sich in der Ehe schon sehr lange einsam fühlt. Wenn sie nicht streiten, schweigen sie sich an. Frau U. ist der Streit lieber als die Stille. Während den Streitereien ist sie in Kontakt mit ihrem Mann. Viele gegenseitige Verletzungen haben in den über 40 Ehejahren stattgefunden. Momentan fühlt sie hauptsächlich Enttäuschung, Wut und Bitterkeit gegenüber ihrem Mann. Beide drehen sich im Kreis mit ihrer Kommunikation, es scheint ihnen nicht möglich, miteinander zu reden, ohne zu streiten und sich gegenseitig zu verletzen.

Nach 2-monatiger Beratung entscheidet das Ehepaar, eine Zeit lang getrennte Wege zu gehen - der Ehemann zieht aus. Frau U. fühlt sich einerseits erleichtert, da nun die Streitereien ein Ende haben, es wird ruhiger in ihr. Anderseits ist es nun auch sehr still im Haus. Die Trauer sucht sie heim, da sie sich die Pensionierung anders vorgestellt hat. Sie wollte reisen und Sachen unternehmen, alleine hat sie die Kraft dazu momentan nicht.  Das getrennt sein wird beiden Partnern die Ruhe geben, wieder mehr zu sich zu kommen. Die Zeit wird zeigen, wohin der Weg sie führt und ob dieser Weg gemeinsam oder getrennt gegangen wird.

Beraterin, November 2019


Ein erster, grosser Schritt

Frau S. erschien nach kürzlich erfolgter Trennung zum Erstgespräch in der AHG. Aufgrund der langandauernden Paarkonflikten und Eskalationen, der Verantwortung für die Kinder, der Stellensuche und dem Wohnortswechsel war sie am Ende ihrer Kräfte und berichtete unter Tränen von Erschöpfungszuständen und Überforderung.

Das erste Gespräch bot ihr einen geschützten Raum für die Erzählung der eigenen Geschichte und Befindlichkeit. Als Anliegen für die Beratung formulierte sie den Wunsch «wieder einen Durchblick zu erlangen». Wir versuchten gemeinsam, die anstehenden Aufgaben zu strukturieren, wo nötig Unterstützung einzuplanen und ihre vielfältigen Ressourcen wieder zu aktivieren.

Sichtlich geordneter und zuversichtlicher verliess sie das Gespräch, in zwei Wochen wird sie sich melden, wie es weiterging.

Beraterin, August 2019


Er schwärmt von seinen Lernerfolgen

Herr A. wendete sich an die AHG, weil er vom Familiengericht die Auflage erhalten hat, zukünftig sein gewalttätiges Verhalten zu unterlassen. Im Erstgespräch zeigte sich Herr A. betroffen über das, was er getan hat - nie wieder will er seiner Familie Gewalt antun. Allerdings hat er Angst, dass er wieder überreagieren könnte. Er ahnt, dass der blosse Vorsatz, auf Gewalt zu verzichten, nicht ausreichen könnte. Zudem beklagt er, dass er, um seine familiären Pflichten zu erfüllen, seine sämtlichen sozialen Kontakte vernachlässigte - nun fühlt er sich einsam. Ich schlug Herrn A. vor, das Lernprogramm gegen Häusliche Gewalt zu absolvieren. Dort könne er mit anderen Männern mit ähnlichen Problemen sprechen und in den 26 Kursabenden das Phänomen Häusliche Gewalt ganzheitlich begreifen. Die Kosten werden dabei weitgehend kantonal getragen. Herr A. hat mich gestern nach seinem fünften Kursabend angerufen. Er schwärmt von seinen Lernerfolgen und von der guten Atmosphäre in der Kursgruppe.

Berater, Mai 2019


Ein Weg entsteht, wenn Frau ihn geht

Frau K. hat eine mehrjährige Geschichte von häuslicher Gewalt hinter sich - bis ein Nachbar eines Abends die Polizei ruft, weil ihr Ehemann sie die Haustreppe runterstösst. Dies alles müssen leider auch ihre Kinder (5- und 7-jährig) mit ansehen. Nebst den physischen Verletzungen sind die psychischen bei allen dreien etwas, was sie noch lange Zeit mit sich tragen werden. Am nächsten Tag ruft sie mich an, ich vereinbare einen Termin bei einer Anwältin, und wir können gemeinsam noch am selben Tag zu ihr. Sie will sich sofort trennen und macht trotz grossen Ängsten eine Strafanzeige.

Dies hat sich vor mehr als 2 Jahren ereignet, und die Klientin kommt mittlerweile in grösseren Abständen zu mir in die Beratung. Eine lange und sehr intensive Zeit für die kleine Familie. Viele rechtliche Themen müssen gemeinsam mit der Anwältin aufgegleist werden. Sie sind bis heute noch nicht geschieden. Es gibt viele Fragen rund um das Besuchsrecht, welches zwar eingefordert wird, aber die Abmachungen werden zum Leid der Kinder selten gemacht. Alimente wird bis heute nicht bezahlt, was wiederum zur Folge hat, dass das Sozialamt, Alimenteninkasso usw. weiter involviert sind.

Trotz all diesen Steinen, welche den dreien immer wieder in den Weg gelegt werden, haben sie ihren Humor und Schalk nicht verloren. In unseren Sitzungen gibt es immer wieder mal eine Gelegenheit zum Lachen. Es freut mich sehr, dass Frau K. nebst all dem Alltagsstress und den grossen psyschischen Belastungen sich beruflich neu orientieren konnte.

Sie hat die Herausforderung angenommen und in der Spitex zu 70 % als Hauspflege angefangen zu arbeiten. Jetzt geht sie noch einen Schritt weiter und macht die Ausbildung zur Rotkreuzhelferin - dies mit Unterstützung des Sozialdienstes ihres Wohnortes. Obwohl diese Arbeit einen strengen Alltag mit sich bringt, meistert sie diese Herausforderung immer wieder neu.

Ihr grosses Ziel war immer, unabhängig zu werden und das hat sie geschafft. Sie darf stolz sein auf ihren Weg. Ich freue mich sehr für sie und ihre Kinder.

Beraterin, Februar 2019


Ein kleines Licht am anderen Ende des Tunnels

In den letzten 2 Jahren kam es zu vielen Auseinandersetzungen in unserer Familie. Häufiger Streitpunkt ist das Verhalten unseres Teenager-Sohns. Er ist frech, abwertend und respektlos seiner Familie gegenüber und hält sich an keine Regeln. Kürzlich wurde er erstmals tätlich mir gegenüber - was mich dann auch dazu bewegte, mir Hilfe zu suchen. Ich fühlte mich hilflos. Ich hatte keine Kraft mehr und konnte mir ein weiteres Zusammenleben nicht mehr vorstellen. In den Beratungen bei der AHG hatte ich mal den Raum für mich, und ich wurde ernst genommen in meiner Hilflosigkeit und Überforderung. Mir wurde bewusst, dass ich einen neuen Umgang mit Grenzen lernen musste und wollte - sowohl mit meinen Grenzen wie auch mit den Grenzen anderer. Wo sind meine eigenen Grenzen, was ist für mich okay und was ist nicht tolerierbar? Und wie kann ich das den anderen mitteilen? Wie kann ich meinem Sohn Grenzen setzten, damit er sie akzeptiert und respektiert? Fragen, die mich während den Sitzungen begleitet haben und die meine Beziehung zu meinem Sohn verändern. Sie schenken mir ein kleines Licht am anderen Ende des Tunnels. 

Klientin, Dezember 2018


Männergespräche

Herr B ist 21, noch in der Ausbildung und erschien vor drei Jahren zum Erstgespräch nach einem Polizei-Einsatz. Er kam in seiner Beziehung nicht zurecht, immer wieder hatte es eskalierenden Streit gegeben. Nach sechs Gesprächen entschied sich Herr B., es fortan allein, also ohne Beratungsunterstützung, zu versuchen. Vor zwei Monaten erschien Herr B. erneut bei mir in der Männerberatung. Inzwischen habe er die Ausbildung abgeschlossen und  immer noch dieselbe Freundin. „Es gäbe wieder Probleme“, berichtet er, das damals gelernte reiche nicht mehr aus. Inzwischen hat Herr B. das siebte, achte und neunte Gespräch absolviert. Er meint, die Gespräche täten ihm gut und langsam verändere sich die Beziehung. Er ist froh, zu lernen, wie er konstruktiv streiten kann und kommt nächste Woche zum zehnten Gespräch.

Berater, September 2018


Mut zur Veränderung

Eine junge Frau kam kürzlich zu mir in die Praxis zur Beratung. Mit ihrem Mann gibt es viel Streit. Es kommt zwar nicht zu Schlägen, doch die gegenseitigen Beleidigungen häufen sich. Sie wusste nicht mehr weiter, war mit der Situation völlig überfordert und weinte nur noch. Ich gab ihr Raum und Zeit, sich über ihre Situation klar zu werden. Durch den Austausch mit mir wurde ihr bewusst, wie gefangen sie in der Situation ist. Nach und nach löste sich die Angst, die sie lähmt. Mit jeder weiteren Sitzung wurde sie stabiler und es gelang ihr, ihren Blick wieder nach vorne zu richten. Sie weiss unterdessen, wie sie ihr Leben wieder zurückgewinnen möchte und beginnt, danach zu handeln.

Beraterin, Juni 2018