Frauenzentrale Aargau  
 Alimenteninkasso  
 Anlaufstelle gegen Häusliche Gewalt  
 Selbsthilfe Aargau  
 Budgetberatung  
 Mütterhilfe Aargau  
 Rechtsberatung  
 Trennungsberatung  


einblenden



Gewalt hat viele Gesichter: physische, psychische, verbale. Sie kann überall vorkommen: bei Frauen, Männern, in allen sozialen Schichten, an öffentlichen Orten, in Betrieben, aber am häufigsten im eigenen Hause.

Die Anlaufstelle gegen Häusliche Gewalt AHG begleitet und berät sowohl gewaltbetroffene als auch gewaltausübende Personen. Sie berät involvierte oder besorgte Dritte, wie Familienangehörige, Bezugspersonen, Vorgesetzte und Nachbarn.

Die AHG Aargau informiert Institutionen und Fachleute, bietet Weiterbildungen an und leistet Öffentlichkeitsarbeit zum Thema häusliche Gewalt.






Bewusstsein

Zu mir kommt ein Mann in die Pflichtberatung, welcher zivilrechtlich vom Familiengericht die Weisung erhalten hat, die massiven Probleme, welche auch gegenseitige Tätlichkeiten beinhalten, in der Gewaltberatung zu bearbeiten. Zu Beginn in unseren Gesprächen frage ich jeweils was er mitbringt und wie es ihm geht. Meistens höre ich dann von ihm, dass alles bestens läuft und sie es in der Beziehung entspannt haben. Beim genaueren Nachfragen, stellte sich dann aber jeweils heraus, dass sie nach wie vor schnell in Eskalationen geraten mit gegenseitigen Vorwürfen. Es zeigte sich auch, dass sie untereinander eine ziemlich grobe Kommunikation kultiviert haben und wenig wirklichen Kontakt miteinander haben. Sehr schnell fährt er auf der Eskalationsschiene und merkt dies nicht oder erst dann, wenn es zu spät und das Schlamassel perfekt ist. Bevor wir aber über Verantwortungsübernahme sprechen ist es bei diesem Mann wichtig, dass er frühzeitig spürt, wann es in der Beziehung Richtung Eskalation geht. Hier ist unser Körper ein wertvoller Indikator, denn er signalisiert uns, wann die Warnlämpchen anfangen zu blinken. So arbeiten wir an der Körperwahrnehmung, damit er frühzeitig die Warnsignale wahrnimmt. Wie und wo nimmt er dies wahr in seinem Körper und was unterstützt ihn in der konkreten Situation, dass er diese Warnsignale auch ernst nimmt? Dies braucht Übung und wir schauen da immer wieder hin in der Beratung, weil die alten Strategiemuster oft tiefer sitzen, als wir denken.  Es geht bei diesem Mann viel um Bewusstheit, weil er oft nicht merkt, wie schnell er jeweils Öl ins Feuer giesst, sich und seine Gefühle nicht wahrnimmt. Der nächste Schritt ist dann das Bewusstmachen über seine Gefühle, bzw. dass Gedanken (Bewertungen) keine Gefühle sind und der Unterschied zwischen Gefühlen und Emotionen. Der Mann ist immer wieder dankbar über das Beratungssetting, weil er jeweils schnell wieder ins alte Fahrwasser gerät und aus der Distanz mit meiner Unterstützung das eigene Verhalten reflektieren kann. Mit dem Ziel, dass er in die Verantwortung kommt und sein Handeln nicht abhängig macht von seiner Partnerin.

Berater Juni 2022
 
  
 

 

Diesen Artikel kann man kommentieren / bloggen - 0 aktivierte einträge


Falsche Anschuldigungen

Wir haben von der Polizei eine Meldung erhalten, wonach eine Tochter dem Vater vorwirft, sie und ihre Mutter seit Jahren regelmässig zu schlagen, zu nötigen und sie mit dem Tode zu bedrohen. Als erste Intervention wurde der Mann inhaftiert. Das Zwangsmassnahmengericht hat erlassen, dass der Mann aus der Haft entlassen wird. Dafür hat man dem Vater die Auflage eines Kontakt- und Annäherungsverbotes gemacht. Der Mann musste bei Bekannten Unterschlupf suchen.

Als ich den Mann telefonisch kontaktierte und ihm mein Angebot eines Gespräches machte, nahm er dieses gerne an. Beim ersten Treffen war er sehr traurig, verunsichert und verzweifelt. Er wusste nicht, wie es nun weitergehen soll. Er durfte nicht zur Familie. Er erklärte mir, dass er die Kontakte mit Lehrern und weiteren Fachpersonen für die Kinder pflege und die Familie ihn brauche. Seine Frau sei damit alleine überfordert. Es war für ihn nicht aushaltbar, dass er die Belange der Familie nicht mitgestalten konnte und er sagte mir, dass die Familie auseinandergerissen würde, wenn er sie nicht unterstützen könne.

Er sagte, dass die Anschuldigungen der Tochter nicht stimmen würden. Ich sah meinen Auftrag darin, den Mann in dieser für ihn sehr schwierigen Situation zu begleiten und ihn dabei zu unterstützen, dass er diese Massnahmen einhält und versuche, geduldig zu sein. Da er aus einem anderen Kulturkreis kommt, war für ihn auch nicht klar, wie die Behörden in der Schweiz funktionieren und er war sehr misstrauisch, auch mir gegenüber.

Die Situation entwickelte sich so weiter, dass die Tochter bei den Behörden einräumte, dass ihre Aussagen nicht stimmten und dass der Vater ihr und der Mutter gegenüber keine Gewalt angewendet hätte. Sie hätte diese Aussagen gemacht, weil sie auf den Vater wütend war, da er sie bestrafte. Sie war offensichtlich auch sehr überrascht, was ihre Aussagen für Folgen hatten.

Dies hatte zur Folge, dass das Kontakt- und Annäherungsverbot aufgehoben wurde und der Vater wieder zurück in die Familie kehren konnte.

Auch dies ist eine Facette der Häuslichen Gewalt, der wir immer wieder begegnen. Es kommt immer wieder vor, dass Menschen bei den Behörden Falschaussagen machen, um sich einen rechtlichen Vorteil zu holen. Gerade in Trennungssituationen erleben wir es immer wieder, dass der Partner/die Partnerin denunziert wird und falsche Anschuldigungen gemacht werden.

Dies ist eine schwierige Dynamik für unsere Arbeit. Wir schenken den Aussagen unseres Klientels Glauben und versuchen, sie bei ihren Themen zu unterstützen. Was wirklich in den eigenen vier Wänden passiert, wissen nur die Direktbeteiligten.

Berater, April 2022

Diesen Artikel kann man kommentieren / bloggen - 2 aktivierte einträge




Anlaufstelle gegen Häusliche Gewalt (AHG) Aargau
Ziegelrain 1
Postfach
5001 Aarau
Telefon 062 550 20 20
info@ahg-aargau.ch