Fühlen Sie sich:
- allein gelassen, verunsichert
- traurig, ängstlich,
- hilflos , überfordert,
- entsetzt, verwirrt,
- ohnmächtig, gedemütigt……
und brauchen Sie jetzt Unterstützung?
Im Kanton Aargau gibt es zahlreiche professionelle Stellen, die Hilfe leisten. Einige Adressen und Telefonnummern finden Sie weiter unten.
Woran erkenne ich Häusliche Gewalt im Alltag?
Vielfach weisen nur kleine Dinge auf das Vorhandensein Häuslicher Gewalt hin: wenn das Haushaltsgeld gekürzt oder gar gestrichen wird, wenn die besten FreundInnen nicht mehr auf Besuch kommen dürfen oder die Mails und die SMS kontrolliert werden. Gewalt in Paarbeziehungen ist vielfach durch ein Kontroll- und Dominanzverhalten gekennzeichnet. Erhebungen in der Schweiz zeigen, dass Gewalt in der Partnerschaft mehr mit den Eigenschaften des gewaltausübenden Partners als mit denjenigen des Opfers zu tun hat (Gillioz et al. 1997; Killias et al. 2005). Die Opfer glauben vielfach die Situation im Griff zu haben. Es ist auch eine Tendenz feststellbar, dass dazu geneigt wird, sich selber als UrheberIn oder AuslöserIn der Probleme zu sehen („Ich habe ja provoziert“, „Das hätte ich eben nicht tun dürfen“). Dies wird vielfach noch durch den/die AgressorIn unterstützt, indem vermittelt wird, dass er/sie regelrecht dazu getrieben wurde, Gewalt anzuwenden. Oder dass Notwehrhandlungen des Opfers als Aggressionsakt dargestellt werden. Die Vorstellung des Opfers, auf die Situation Einfluss zu haben, stellt sich aber meistens als Illusion heraus.
Vielfach brauchen die Beteiligten Hilfe von aussen, um aus dem Kreis der Gewalt auszubrechen.
Die Involvierten Personen drehen sich immer wieder im Kreis. Dieses Schema trägt den Namen "Gewaltspirale". Darin wird deutlich, dass immer wieder die gleichen Situationen eintreten. Am Anfang steht ein Grundkonflikt. Dieser kann sehr banal sein und zeigt sich in ersten verbalen und psychischen Attacken. Darauf folgt meist die Androhung von physischer Gewalt, bis irgendwann ein Auslöser (das kann ein Teller sein, der versehentlich fallen gelassen wurde oder sonst etwas bedeutungsloses) die Gewalt eskalieren lässt. Darauf folgt in der Regel ein sehr versöhnliches Verhalten und die Täter und Täterinnen beteuern, nie mehr zu schlagen und entschuldigen sich für ihr Verhalten. Diese Versprechungen werden vielfach von beiden Seiten geglaubt und Konsequenzen für die gewaltausübende Person bleiben aus. Es findet kein Erkennen der eigentlichen Problematik statt. Es wird meist auch nicht mehr darüber gesprochen, was dazu führt, dass die Grundkonflikte bestehen bleiben. Und so fängt es wieder von neuem an.
Haben Sie sich in diesen Zeilen wiedergefunden? Möchten Sie aus diesem Kreis der Gewalt ausbrechen? Bitte kontaktieren Sie umgehend eine der untenstehenden Adressen. Sie finden die Kontaktdaten, wenn Sie auf den unten aufgeführten Link klicken.
Hier noch einige Fakten zur Beratung:
- In den Beratungen (Opferhilfe, Anlaufstelle gegen Häusliche Gewalt, Beratung für betroffene von Häuslicher Gewalt etc.) geschieht nichts ohne Ihre Zustimmung;
- Die BeraterInnen stochern nicht in Ihrer Seele herum, sondern bieten konkrete Informationen - Sie werden in einer Beratung also nicht therapiert, sondern wirklich nur beraten;
- Wenn Sie nicht wollen, werden keine weiteren Termine vereinbart (kein Zwang). Die BeraterInnen akzeptieren Ihre persönliche Meinung und Ihren Standpunkt.
Adressen für direkte Hilfe.
Mannsein und Opfersein ist kein Widerspruch
Zum Begriff „Männerbild“ gibt es keine allgemeingültige Definition. Die Vorstellung wie ein Mann zu sein hat, variiert stetig. Hierbei spielen soziale Konstruktionen eine grosse Rolle. Deshalb sind Faktoren wie Alter, Kohorte, Herkunft und Sozialisation massgebend. Dennoch kann mit wenigen Worten das Männerbild, wie es in unserer Kultur dominant ist, umschrieben werden: ein Mann ist stark, er spricht nicht viel über Gefühle, er ist erfolgreich, Herr der Lage und natürlich maskulin (letzteres legitimiert verschiedenste Handlungen und Einstellungen). Dieses Männerbild ist selbstverständlich stereotypisch und wird individuell verschieden erlebt und gelebt. Dennoch besteht eine Grundtendenz, welche sich durch obige Merkmale charakterisieren lassen.
Das Objekt (und Opfer) von Kontrolle, Gewalttaten, Herrschaftsverhältnissen und Grenzverletzungen zu sein, gehört nicht zum Bild dieses Mannes. Es gilt grundsätzlich noch immer als Tabu für einen Mann, in Fällen von Gewalt und im speziellen von Häuslicher Gewalt, sich jemandem anzuvertrauen und Hilfe zu akzeptieren. Umgekehrt stossen männliche Opfer oft auf Unverständnis. Viele Fachpersonen aus unterschiedlichen Disziplinen wollen die berichtete Gewalterfahrung entweder nicht wahrhaben oder spielen die Situation herunter (Hagemann-White/Lenz, 2004, S. 82 zitiert in Wyss, 2006, S.15). Das führt zwangsweise zu einem nicht einschätzbaren Dunkelfeld, da Anzeigen sowie allgemeine Reaktionen nach aussen ausbleiben. Durch bestimmte gesellschaftliche Strukturen wird dieses Tabu unterstützt: zahlreiche Hilfs- und Beratungsangebote sind primär auf Frauen ausgerichtet, was auch gut nachvollziehbar ist, da diese Strukturen aufgrund des Engagements der Frauenbewegung entstanden sind. Frauen verfügen zudem gesellschaftlich über einen legitimierten Opferstatus. So kommt es vor, dass Männer automatisch als Aggressor bei einem polizeilichen Einsatz bezüglich Häuslicher Gewalt eingestuft werden und Frauen als Opfer. In der überwiegenden Zahl der Fälle ist das richtig – aber nicht in jedem.
Männer sollen auch Opfer sein können, ihnen soll dieselbe Hilfe zukommen wie weiblichen Opfern. Die Männer selber haben aber noch einige Schwellen in ihrem Selbstbild zu überwinden – vor allem die Scham darüber, als Opfer nicht mehr „männlich“ zu erscheinen –, um sich mit ihren erlebten und erlittenen Verletzungen und Traumatisierungen auseinanderzusetzen (vgl. Scheskat in Lenz, 2000, S.225). Diese Problematik muss stetig in das gesellschaftliche Problembewusstsein einfliessen, um letztlich auch die antiquierten Rollenbilder des immer erfolgreichen und starken Mannes definitiv aus den Angeln zu heben.
Ein aufschlussreicher Bericht über männliche Opfer von Häuslicher Gewalt und gewalttätige Frauen findet sich hier:
Wenn Frauen Gewalttätig werden: Fakten contra Mythen
